Die Entwicklung der Blindenbetreuung in Luxemburg

Ursprung der organisierten Blindenbetreuung

Seit Menschengedenken lebten die Blinden ein trauriges Schicksal, weil sie wegen fehlender Arbeit kein geregeltes Einkommen hatten. Die am schlechtesten Bemittelten und Obdachlosen waren aufs Betteln angewiesen. Das Leben des „Blannen Theis“ soll nur ein typisches Beispiel dafür sein.

Dieser Zustand besserte sich, als im Jahre 1900 die Schwestern der Heiligen Elisabeth in Berburg die „Blindenanstalt“ gründeten. Hier leisteten die Ordensfrauen während 75 Jahren auf schulischem, erzieherischem und menschlichem Niveau hervorragende Arbeit. Während dieser Zeit wurden die traditionellen Blindenberufe wie Korbmacher, Bürstenmacher, Stuhlflechter… hier gelehrt und in der Werkstatt ausgeübt; sie trugen teilweise zum Lebensunterhalt bei. Maschinelle Fertigung und moderne Blindenberufe wie Telefonist, Stenotypist und, in den letzten Jahren zunehmend Computerarbeitsplätze, haben diese Berufe immer mehr verdrängt. Zurzeit wohnen nur noch einige Blinde in Berburg.

Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, wurde im Jahre 1975 die Blindenschule vom Staat in die „Education Différenciée“ aufgenommen, und von Berburg nach Luxemburg verlegt; das war die Gründung des „Institut pour Déficients Visuels“. Augenblicklich wird die Beschulung der blinden Kinder weitest möglich auf integrativer Basis durchgeführt. Um die Jahrhundertwende entwickelten sich in unseren Nachbarländern nach und nach Selbsthilfegruppen unter dem Namen „Blindenvereinigung“, „Blindenbund“, „Association des Aveugles“. Vor allem nach dem ersten Weltkrieg verstärkte sich diese Bewegung durch eine große Zahl Kriegsblinder, Umstand welcher sich im zweiten Weltkrieg noch einmal wiederholen sollte. Bei uns dauerte es bis 1955 als eine Handvoll Blinder, dem Ausland folgend, die „Association des Aveugles du Luxembourg a.s.b.I.“ gründeten. Dieser Akt ist als Meilenstein in der Blindenbewegung unseres Landes zu betrachten. Die anfangs kleine Gruppe bemühte sich schnell Kontakte zu andern Blinden zu bekommen, und so entstand rasch eine stattliche Selbsthilfegruppe. Selbsthilfe war während der vergangenen 40 Jahre immer das Leitwort, und ist es auch noch heute. Ohne sehende Hilfe aber kann das nicht funktionieren, und so gründete sich im Jahre 1961 die „Canne-Blanche“, die sich als Fürsorgeverein der Blinden versteht.

Die sozialen und materiellen Verhältnisse der Blinden waren damals oft noch schlecht. Manchem wurde mit einer finanziellen Unterstützung geholfen. Hierzu mussten Geldmittel her, und so begannen anfangs der 60er Jahre die alljährlichen Hauskollekten. Eine Verwaltung musste geschaffen werden, und so entstand 1970 in Bonneweg ein „siège social“ mit Büros, einem Versammlungssaal und einer Tonbandbibliothek. Ab sofort wurde es möglich, regelmäßige Treffen „porte-ouverte“ zu organisieren.